Verfügbare Rechenkapazität ist das Rückgrat für eine zukunftsfähige Wirtschaft und konkurrenzfähige Spitzenforschung. Mit der nationalen Rechenzentrumsstrategie wurden von der Bundesregierung am 18. März 2026 ressortübergreifend drei Handlungsfelder identifiziert – „Energie und Nachhaltigkeit“, „Standorte und Flächen“ und „Technologie und Souveränität“. Ziel ist es, Deutschland als einen führenden und attraktiven Standort für Rechenzentren zu etablieren. Für die VDI/VDE-IT als Projektträger steht dabei die Förderung von Forschung, Technologie und Innovation im Mittelpunkt.
Technologieführerschaft – ein zentraler Faktor für digitale Souveränität in Europa
Deutschland und Europa stehen vor einer sich schnell verändernden und herausfordernden geopolitischen Lage. Mit Blick auf den globalen Wettbewerb um technologische Führerschaft sind Rechenzentren auf höchstem Niveau eine Schlüsselkomponente um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaft und Wissenschaft zu sichern. Es gilt den Zugang zu Ressourcen, Knowhow und Förderung weiter auszubauen und zu vereinfachen, um Innovationen schnell zu ermöglichen und großflächig anzuwenden. „Dass die Rechenzentrumsstrategie die Integration von europäischen Technologien wie Prozessoren des französischen Unternehmens SiPearl in kommenden Infrastrukturprojekten ausdrücklich unterstützt, ist dabei sehr zu begrüßen“, meint KI-Experten Gregor Schwartz vom Projektträger VDI/VDE-IT.
Europäische Forschungskooperation auf dem Weg zu mehr Souveränität
Deutschland beteiligt sich aktiv an europäischen Initiativen wie dem EuroHPC Joint Undertaking (EuroHPC JU). Dies trägt zu einem gemeinschaftlichen Vorgehen in Europa bei und sichert den flächendeckenden Aufbau von Kapazitäten und Kompetenzen. Die gemeinsame Förderung europäischer KI-Fabriken durch das EuroHPC JU und die EU-Mitgliedsstaaten markiert dabei einen zentralen Meilenstein der Integration von KI in bestehende Forschungs- und Datenökosysteme. Sie kombinieren großskalige Recheninfrastruktur, die auf Grafikprozessoren (GPU) basieren, mit Daten und Knowhow, um die Entwicklung von richtungsweisenden Modellen und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz zu ermöglichen. Mit den geförderten Vorhaben HammerHAI und JAIF stellt Deutschland zwei der 19 KI-Fabriken. Zentrale Aufgabe bleibt es, die Kompetenzen und Ressourcen möglichst weit zu streuen und mit Hilfe von Kollaboration, Beratung und Unterstützung die Forschung und die Industrie – insbesondere in Form von Start-ups sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen – in dieser neuen Phase der digitalen Transformation zu unterstützen.
In einem nächsten ambitionierten Schritt treibt die EU mit den geplanten KI-Gigafabriken (AI Gigafactories) den Ausbau von dezidierter KI-Infrastruktur voran, um so das Entwickeln und Trainieren europäischer Modelle zu ermöglichen. Der Schulterschluss von öffentlicher Hand und Industrie in einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft zeigt die Dringlichkeit des KI-Infrastrukturaufbaus. Dabei stehen drei Punkte im Fokus.
KI und HPC – eine enger werdende Verknüpfung
Angesichts der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und der steigendenden Nachfrage nach KI-optimierten Rechenumgebungen muss ein besonderer Fokus auf die strategische Verzahnung von bestehender High-Performance-Computing-Expertise (HPC) und Ressourcen mit europäischen Ambitionen im globalen KI-Wettbewerb gelegt werden. Im Zentrum steht dabei das Zusammenspiel klassischer HPC-Architekturen mit KI-optimierten Compute-Stacks – also ineinandergreifende Hard- und Softwarekomponenten. Mit Hilfe dieser europäischen Infrastruktur können dann datenintensive KI-Trainings sowie der tatsächliche KI-Einsatz in Europa selbst stattfinden.
Technologische Souveränität entsteht nicht von allein – sie muss über den gesamten Technologie-Kette hinweg erarbeitet werden. Umso wichtiger ist es, dass die Strategie weitere Investitionen in Forschung, Entwicklung und Infrastruktur verankert und damit die richtigen Weichen für die zweite Phase der digitalen Transformation stellt. Gerade weil technologische Souveränität ein langfristiges Ziel bleibt, kommt einem frühzeitigen und konsequenten Investitionsbekenntnis besondere Bedeutung zu.
Nachhaltigkeit als Standortvorteil
„Eine zukunftsgerichtete Gesellschaft braucht Rechenzentren. Dabei ist jedoch wichtig, dass beim Ausbau der Infrastruktur der Hunger nach Energie, Wasser und weiteren Ressourcen nicht aus dem Blick verloren wird“, meint Gregor Schwartz. Schon jetzt kratzt der durch Rechenzentren verursachte jährliche Stromverbrauch an der Vier-Prozent-Marke des deutschen Gesamtverbrauchs. Abwärme bleibt vielerorts ungenutzt und Wasser wird zunehmend eine knappe Ressource. Ein zukunftsfähiger Weg zu mehr Rechenkapazität in Europa ist nur mit Blick auf Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit möglich. Ein zweigleisiger Ansatz, wie in der Rechenzentrumsstrategie beschrieben, ist dabei aus Sicht des Projektträgers VDI/VDE-IT die richtige Antwort. Denn nur durch das gleichzeitige Fördern von innovativen Entwicklungsansätzen und dem flächendeckenden Transfer bestehender Lösungen kann der Sektor nachhaltig wachsen.
Neue Technologien konsequent erforschen und in Anwendung bringen
Neue Technologien müssen weiterhin systematisch identifiziert, erforscht und gezielt in produktive Umgebungen überführt werden. Dazu gehört die kontinuierliche Beobachtung technologischer Entwicklungen und die Unterstützung von darauf aufbauenden geeigneten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Ein zentraler Schritt besteht hier darin, neue Technologien frühzeitig in HPC-Testumgebungen und Pilotinfrastrukturen zu integrieren. Dadurch können Anwendungen angepasst, Software-Stacks optimiert und praktische Erfahrungen im Betrieb gesammelt und schrittweise in leistungsfähige und zukunftsfähige HPC-Infrastrukturen integriert werden.
Daher ist der Ansatz, die Strategie kontinuierlich fortzuschreiben und unter Einbeziehung relevanter Anspruchsgruppen um zusätzliche Maßnahmen zu erweitern, ausdrücklich zu begrüßen.
Als Projektträger begleiten wir aktiv die Gestaltung und Umsetzung von entsprechenden Förderprogrammen: Von der fachlichen Beratung über die administrative Abwicklung bis zu organisatorischen und kommunikativen Aufgaben.