Das Ziel lautet Souveränität

Zwei Hände halten einen Mikrochip
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Der Druck auf internationale Lieferketten und Produktionskapazitäten durch die Krisen der jüngsten Zeit hat eines deutlich gemacht: das global angelegte System der Halbleiter-Produzenten bringt viele Abhängigkeiten für die unterschiedlichsten Abnehmer-Branchen mit sich – wie etwa für die Automobilindustrie. Daher lauten die Lehren aus der globalen Mikrochip-Versorgungskrise: Es geht um Kooperation statt um nationale Autarkie. Der Grat zwischen sinnvoller Unterstützung und schädlicher Subvention ist schmal – die besonderen Umstände der Fertigung von Halbleitern lassen aber kaum eine Alternative zu.

Staatliche Unterstützung der Chip-Fertigung in Magdeburg bietet Chance für regionales Hightech-Cluster

Mit der Intel-Niederlassung entsteht in Magdeburg eine Fabrik, die modernste Mikrochips fertigt. Durch Steuern und Sozialangaben kann der Staat mit Einnahmen von 250 bis 400 Millionen Euro jährlich rechnen. Eine Einnahmenhöhe, die die Subventionen in Höhe von 10 Milliarden Euro über spätestens drei Jahrzehnte refinanziert. Siedeln sich weitere Unternehmen an, multiplizieren sich die Effekte, und die Zeit verkürzt sich beträchtlich. Dies ist eine Erkenntnis der neuen Studie der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, die in Kooperation mit der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung entstanden ist.

Die neun wichtigsten Erkenntnisse der Studie

„Nicht nur der Osten Deutschlands profitiert von der Intel-Ansiedlung. Rund die Hälfte der Wertschöpfungseffekte werden dem Land Sachsen-Anhalt zugutekommen und der Rest verteilt sich auf die übrigen Bundesländer“, sagt Studien-Co-Autor Dr. Marc Bovenschulte von der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH. „Außerdem benötigt die künftige Intel-Fabrik hochqualifizierte Fachkräfte aus technischen Berufen. Diese können über Fortbildungen zumindest teilweise aus schrumpfenden Branchen wie der Automobilindustrie gewonnen werden“, fügt Bovenschulte hinzu. „Mit der Ansiedlung von Intel entsteht am Standort Magdeburg eine Fabrik, die modernste Chips in Leading-Edge-Technologie fertigt, und die dafür sorgt, dass Deutschland überhaupt noch in diesem Feld mitspielen kann.“

Co-Autor Dr. Marc Ingo Wolter von der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung ergänzt: „Die höhere Nachfrage nach technischen Fachkräften wird das Ausbildungsprofil der lokalen und regionalen Berufsschulen ändern. Neue Ausbildungsgänge sind auch für andere Hightech-Firmen attraktiv, was weitere Ansiedlungen begünstigen kann.“

Intel-Ansiedlung bietet Chance für die Region Magdeburg

Zusammen mit ergänzenden politischen Maßnahmen kann dies ein Schub für die soziale Infrastruktur und die Region insgesamt sein. Magdeburg und die umliegende Region müssen Wohnraum schaffen und die dazugehörigen sozialen Infrastrukturen wie Kitas, Schulen, den öffentlichen Nahverkehr sowie die medizinische Versorgung ausbauen, um Fachkräfte für den Arbeits- und Wohnort zu gewinnen. Ausgehend vom IT-Kern kann sich dieses Cluster schrittweise zu einem branchenübergreifenden Hightech-Cluster, etwa für neue Materialien, Fertigungstechniken, Kreislaufwirtschaft oder Medizin- und Biotechnologie entwickeln, so die Studie.

Fakten und Zahlen rund um die Halbleiter-Industrie

Zahlen und Fakten rund um die Halbleiter-Industrie gibt es im folgenden Infoposter:

Infoposter

Diskussionsrunde auf dem Ostdeutsche Wirtschaftsforum: Wege aus der Chipkrise

Auf Einladung der VDI/VDE-IT wurde am 3. Juni 2024 über die aktuelle Lage und künftige Aussichten für die Welt der Mikrochips diskutiert. Mit dabei waren: der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig, Iris Plöger (Bundesverband der Deutschen Industrie), Bernhard Kluttig (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz), Sonja Pierer (Intel Corporation), Dr. Claudio Longo (Continental) sowie Dr. Eike-Christian Spitzner (VDI/VDE-IT) und Dr. Marc Ingo Wolter (GWS – Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung).

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Weitere Informationen

Mikroelektronik in der VDI/VDE-IT

Die VDI/VDE-IT ist seit vielen Jahren im Bereich Mikroelektronik tätig. Durch die Betreuung von Forschungs- und Industrieprojekten verfügen wir über eine große Fachexpertise im Bereich der Halbleitertechnologien und sind darüber hinaus in der Elektronik-Community gut vernetzt. 

Wir arbeiten in Fachgremien und Fachveranstaltungen mit, bringen unsere Kompetenzen als Projektträger für öffentliche Förderprogramme ein und übernehmen begleitende Aufgaben wie Analysen zum Stand der Technik, programmatische Konzepte oder die Organisation von Strategieprozessen. Mit unseren Geschäftsstellen in Dresden und München sind wir an den größten Produktionsstandorten der Mikroelektronik in Deutschland vor Ort.

Aktuelle Aufträge der VDI/VDE-IT im Bereich der Mikroelektronik:

•    Projektträgerschaft Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien für das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

•    Projektträgerschaft Elektronik und autonomes Fahren; Supercomputing des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

•     Pack4EU der Europäischen Kommission

•    Elektronische Systeme des Freistaates Bayern

•    International Cooperation on Semiconductors von Horizont Europa

•    EPoSS – European Technology Platform on Smart Systems Integration